Und immer wieder neu.....

Der Weg

Was mich auch dazu treibt, ein Gedanke, eine Begeisterung, ein Versprechen, ein nächtliches Erschrecken, ein Traum, eine ungewisse Hoffnung oder das einfache Fernweh, ich bin wieder auf den Weg nach Santiago de Compostella. Santiago im Nordwesten Galiziens war schon des Öfteren mein Ziel. 

Manchmal aus spirituellen Gründen und manchmal, weil es so einfach ist, einen langen Weg mit gelben Pfleilen zu folgen. Viele schöne und traurige sowie mystische Erlebnisse schenkte mir dieser Weg, egal aus welchen Gründen auch immer ich aufbrach. 

Diesmal habe ich nur wenig Zeit. Deshalb gehe ich diesmal lediglich von Porto nach Santiago, den portugiesischen Weg. Er ist so anders als der spanische oder französische Weg, nicht so still und nicht so energiegeladen wie der Weg, den schon Millionen von Menschen über Jahrhunderte gegangen sind. Man sieht nicht wirklich die alten Spuren, die sie hinterlassen haben, man hört nicht mehr die Schritte in den alten Gemäuern. Natürlich werde ich auch dort alte historische Städte durchqueren, das ist keine Frage. Auch Pilgerspuren werde ich findBen und trotzdem, dieser Weg ist nicht so intensiv, man muss genau nachspüren und hinsehen um sie wahrzunehmen. Dieser Weg ist irgendwie moderner, er ist lauter, weil die Natur nicht so unberührt ist. Oft läuft man über Asphalt, oder neben großen Straßen oder an Gleisen vorbei. Es gibt die Gegensätze, die mich überrumpeln. Ich wandere über wunderschöne Hügel, höre Vögel, rieche das Laub und dann durchquere ich ein Industriegebiet. Dieser Weg versprüht seinen eigenen Charme, seine Geheimnisse und seine Spiritualität. Außer Jakobus trifft man auf diesem Weg immer wieder Maria, sogar Franziskus ist hier zu finden. Aber Maria, die Mutter Gottes, ist hier wirklich präsent. Die Portogiesen lieben ihre Maria und ehren sie nicht nur in Fatima.

Dieses Jahr werde ich mit einer Freundin in Porto starten. Ich freue mich auf diesen Weg. Obwohl ich ihn schon gegangen bin, wird er wieder neu für mich sein. Weil die Umstände neu sind, die Menschen neu sind und weil ich neu bin. Ich bin nicht mehr die alte Silvia, die ihn vor Jahren mit Mann und Sohn gegangen ist. Viele Ereignisse haben mich verwandelt. 

Nun gehe ich, um mich nochmals verwandeln zu lassen. Denn das macht dieser Weg, er verändert die Menschen in ihrer Tiefe, in ihrer Seele und in ihrer Gesundheit. Manchmal merkt man die Veränderung erst später, wenn man wieder zu Hause ist. Manchmal kommt die Veränderung plötzlich mit solch einer Wucht, dass Tränen fließen aus Traurigkeit oder aus Glück, fast einer Erleuchtung gleich. Ich freue mich auf meinen Weg und auf die Erfahrung, die ich dort machen werde.

So unterschiedlich auch alle Pilger sind, die wir auf dem Weg treffen, teilen wir doch alle das Wetter, die Ratlosigkeit, wenn der Weg mal nicht eindeutig ausgeschildert ist, die brennenden Fußsohlen, den Hunger und den Durst und vor allem,  die bleierne Müdigkeit am Abend. 

Wieso nochmal genau freue ich mich auf den Weg? 😂

  

Porto