Zweiter Tag.

Windschiefer Baum direkt nach unserem Start

 Zweiter Tag. Porto.  Der heutige Tag stand fast ausschließlich für Porto zur Verfügung. Ich glaube, wir sind hier mindestens 20 km gelaufen und dann nochmal 12 km zu unserem ersten Etappenziel. In unserem Hotel gab es kein Frühstück. So mussten wir uns ein Café in Porto suchen. Sollte nicht schwer sein, so zumindest unser Gedanke. Aber Porto ist so von Touristen überlaufen, dass wir lange suchen mussten, bis wir etwas fanden. Leider war der uns dort angebotene Kaffee bitter und das, was zu Essen offeriert wurde, touristenmässig schlecht. Erschwerend kam hinzu, dass Svetlana als Vegetarierin nur auf Süsskram zurückgreifen konnte. In der Kathetrale holten wir uns den Pilgerstempel ab. Meine Freundin hat sich in der Kirche sehr verloren. Ich glaube, sie wäre gerne länger dort geblieben. Irgendetwas hat sie wohl sehr berührt, auf jedenfall brach sie in Tränen aus. Ich musste an Harpe denken. Er beschrieb das in seinem Buch so: Ja ich hörte davon, dass fast alle irgendwann auf dem Weg weinen müssen, aber muss dies denn gleich am ersten Abend sein? Ich war total überrascht von dieser Situation. Als Svetlana mir dann weinend in den Armen lag, heftig schluchzte und auch noch andere Pilger fragten, ob sie helfen könnten, kamen mir zum allen Überfluss auch noch die Tränen. Nur weiß ich nicht warum. Ich habe mich total auf diese Tour gefreut, ich genieße es so frei zu sein. Aber vor lauter Mitgefühl weine ich mit. Na toll, dass kann ja noch eine heftige Tour werden. Zwei Frauen, Anfang Fünfzig, laufen heulend durch Portugal und Spanien. Die eine, weil sie überwältig ist, die andere aus Sympathie. Na, wenn das mal gut geht. Zwischenzeitlich hatte ich vor Hunger Kopfweh. Wir suchten eine etwas seltsame Bäckerei ohne Sitzbereich auf. Total ungemütlich, aber irgendwie portugiesisch. Das schöne am Rucksackwandern ist, dass man Gleichgesinnte sofort erkennt. So kamen wir im Laufe des Tages mit so manchem Wanderer ins Gespräch, mal länger, mal kürzer. Einer kam aus Amerika. Er hatte vor Jahren eine Sie aus Deutschland kennengelernt.  Beide blieben in Kontakt und sind dieses Jahr nochmals gemeinsam losgezogen. Für uns stand heute Sightseeing in Porto auf dem Programm. Zu meiner Verwunderung ist diese Stadt aus dem 7. Jahrhundert, aber Einzelnes ist - wie so vieles auf dem Jakobsweg - wesentlich älter. Die Kelten waren schon zu einer Zeit hier, als noch niemand an den Jakobsweg oder an Fatima dachte. Dort, wo sie ihren Göttern Opfergaben darbrachten, steht heute eine Festung. Da die Käseburg direkt auf einen Felsen erbaut wurde und sich über den Atlantik erhebt, bietet Castelo do Queijo einen traumhaften Ausblick aufs Meer und auf wunderschöne Strände. Castelo do Queijo in Porto vermittelt so nicht nur die Geschichte Portugals, sondern zeigt gleichzeitig Portugals Natur von ihrer schönsten Seite. Eine Reise in den äußersten Norden Portugals ist immer auch eine Reise zu den Ursprüngen des Landes. Zu entdecken gibt es keltische Siedlungen, mittelalterliche Burgen und massive Befestigungsanlagen. Durch steile Berge schlängelt sich silbrig der Rio Douro. Auf Tausenden Hektar wird hier Wein angebaut. Porto pulsiert, es lebt. Heute ist Karfreitag. Diesen Tag kenne ich aus Deutschland als ruhigen Feiertag. Aber hier in Porto habe ich es ganz anderes erlebt. Alle Geschäfte sind geöffnet, überall spielende Kinder. Es wird getanzt und gesungen. In den Lokalen wird Wein getrunken und üppig gegessen. Überall sitzen Menschen in Straßenlokalen  und freuen sich des Lebens.