Dritter Tag.  Legenden, Geschichten und Fisch. Ostersamstag 15.04. - Matosinhos - Vila do Conte - 22 km. Heute morgen haben wir es nochmal gemütlich angehen lassen. Ausschlafen, gut Frühstücken und dann mal langsam anlaufen. Die heutige Wanderung brachte viele neue Eindrücke. Zuerst dieses Industriegebiet und der riesige Hafen, der umlaufen werden musste. Dieses Teilstück zog sich länger hin, als ich gedacht hatte. Ich musste mal wieder üben, mit dem Weg einverstanden zu sein. Es waren nicht viele unterwegs, so dass es ein ruhiger Tag zu werden versprach. Sonne, Wind und Meer. Einfach wie Urlaub. Eigentlich glaubte ich, dass dieser Tag langweilig werden würde. Ohne Höhepunkte, denn es ging hauptsächlich nur auf Holzwegen die Küste entlang. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Der Küstenabschnitt hatte einiges zu bieten. Sandstrände, Felsenlandschaften, Fischerdörfer und Touristenhochburgen, alles war hier anzutreffen. Heute sind wir mit kurzen Röcken gepilgert, zeitweise auch mit Bikini Oberteil und Rock. Von unseren Mitpilgern wurden wir allerdings etwas seltsam angeguckt. Sie trugen das übliche Outfit mit Trekkinghose, Hemd und Pulli. Wir legten häufig eine Pause ein, nicht aus Müdigkeit, sondern weil wir überwältig waren von der Natur. Hier wuchsen Blumen und Pflanzen, die bei uns teuer verkauft werden, frei und wie Unkraut. Aber erst einmal der Reihe nach: Ich hatte mich bei den Reiseplanungen bewusst gegen den zentralen Weg nach Spanien entschieden, sondern für die Küstenvariante. Auch diese Strecke ist ein traditioneller Pilgerweg. Nach der Legende wurde Jakobus dort das erste mal gesichtet. Man erzählt sich, dass die auf einer Hochzeitsfeier am Strand anwesenden Männer eine Wette abschlossen. Es ging darum, wer mit seinem Pferd am Weitesten ins Meer reiten kann. Der Wagemutigste schaffte eine große Strecke, drohte aber schon bald mit seinem Pferd in den Fluten zu versinken. In seiner Not sah er ein steinernes Schiff, in dem Jakobus nach seinen Tod in Spanien angekommen sein soll, welches mit (Jakobs)Muscheln überzogen war. Die Muscheln setzen sich an sein Pferd und brachten beide an das rettende Ufer. Jedes Jahr im Mai und Juni wird dort drei Wochen lang dieses Ereignis gefeiert. Soweit der Jakobskult. Unser erstes Etappenziel ist heute Matosinos. Diese Stadt ist äußerst geschichtsträchtig. So belegen Funde die Anwesenheit von Menschen seit der Altsteinzeit, wirklich belegt ist die vorgeschichtliche Besiedlung seit der Jungsteinzeit. Auch haben die Römer eine Siedlung aus der Bronzezeit eingenommen und bewohnt. Eine Römerstraße verlief dort von Porto nach Braga. Die Stadt ist ein Besuch wert. Von dort aus wanderten wir immer an der Küste entlang nordwärts. Solange der Atlantik auf unserer linken Seite lag, wussten wir, wir sind richtig. Das war die Antwort auf für Frage, kann man sich verlaufen? Wie ist der Weg ausgeschildert ? Findet man Übernachtungsmöglichkeiten? Auf dem Weg weiter kommt man am Farol da Boah Nova vorbei. Er gilt als einer der höchsten Leuchttürme Portugals. Es folgen weitere Denkmäler auf dem Weg, die sich mit Krieg, Entdeckungen oder mit in Not geratenen Seeleuten beschäftigen. Noch heute kann man an den Felswänden der Küste Gravuren von Nordmännern oder Wikinger sehen. Auch kommt man an Felsformationen mit erstaunlich gleichmäßigen rechteckigen Löcher vorbei. Zuerst dachte ich an Reste frühzeitlicher Siedlungen. Solche gibt es dort sehr oft. Diesmal waren es allerdings Löcher, die dazu dienten, Sardinen zu salzen und haltbar zu machen. Es gibt so viel auf diesem kleinen Stück zu entdecken, dass wir mit unserer Zeit in Verzug kamen. Wir gönnten uns dennoch einige kleine Pausen und schnupperten ein wenig Kultur. Einen längeren Stopp legten wir am Strand der Diebe ein. Dort wurden Schiffe mit falschen Leuchtfeuern ins flache Wasser gelockt, um sie zum Kentern zu bringen. Piraten nutzen diese flachen Gewässer zudem, um leicht an Land zu kommen, die Siedler zu überfallen und zu versklaven. Auch über unser heutiges Etappenziel gibt es viel zu erzählen. Jetzt macht sich bei mir allerdings der Wein bemerkbar und ich werde müde. Ich verabschiede mich deshalb und sage "bis morgen liebe Leute". Eines noch: Der Fischreichtum ist hier sagenhaft. Wir genießen es, uns jeden Tag frischen Fisch servieren zu lassen. Am liebsten bei den kleinen Fischern mit ihren bunten Häuschen und selbst gebauten Fischgrills. Es duftet so gut. Die Fischer sind dort so freundlich, dass wir am liebsten bei jedem einkehren würden. Nicht nur zum Essen und Trinken, sondern auch, um ihren Geschuchten zu lauschen. Aber dazu müssten wir viel mehr Zeit einplanen. Das nächste mal vielleicht. Das war es für heute.