Weiter Weg und heiße Quellen.

 Siebter Tag. Gut gelaufen. Gestern war ja noch großer Waschtag angesagt. Wir haben uns das Städtchen trotzdem noch einmal angeschaut. Arcade ist ein Ort, dessen Flair man nicht sofort erkennt. Er liegt am Jakobsweg, aber die gelbe Pfeilführung ist nicht so angelegt, dass man dieser Pilgerstation auf Anhieb wirklich etwas abgewinnen kann. Dabei hat sie ihre romantischen Seiten. Ein Fluss, der auch Ebbe und Flut kennt, schöne Wanderwege, die insgesamt beruhigend wirken. Frischer Fisch und eigene Austernbänke. Lokale, die noch das Wort "Gastfreundschaft" kennen und Spanier, die das Leben zu genießen wissen. Von dort aus ging unsere Wanderung wieder durch eine sehr schöne Natur, an rauen Felsenlandschaften vorbei. Teils steil bergauf und teils steil bergab in Richtung Ponteverdra - unser Etappenziel für Mittag. Wir kamen auch zügig voran. Trotz meiner Blasen hatte ich heute wieder meine Wanderschuhe angezogen. Mir war zum Heulen zumute, es nutzte aber nichts. Der Weg führte über Geröll und große Steine. Hier zeigte sich Spanien wild und unbezwungen. Eine sehr schöne Strecke und insgesamt eine Gegend, die sich durchaus für einen kurzen Wanderurlaub anbietet. Zu finden sind gut angelegte Wanderwege mit vielen kulturellen und landschaftlichen Highlights. Der letzte Teil des Weges war dann mal wieder sehr anstrengend, weil wir ca 4 km in die Stadt einlaufen mussten. Ich hasse Asphalt treten. Pontevedra selber ist wiederum faszinierend. Genauso wie es in die Stadt herein geht, geht es auch wieder heraus, d.h. über lange, asphaltierte und stark befahrene Straßen. Nur selten wird man mit kleinen Grünzonen belohnt. Ich schätze, wir waren zu ca. 70 Prozent auf ausgebauten Straßen unterwegs. Unser nächstes Etappenziel sollte Calda de Reis sein. Diese Stadt ist seit der Römerzeit für ihre Thermalquellen bekannt (bin ich eigentlich in Italien unterwegs?). Die heißen Quellen wurden damals u.a. dazu genutzt, um sich von Kriegsverletzungen zu erholen. Einer Legende nach soll sich ein schwer verletztes Schlachtross nach einem Kampf in einer solchen Wasserlache vollkommen erholt haben. Wir hatten uns in ein sog. Thermal-Hotel eingemietet und stiegen dort sofort in die heißen Quellen. Ja, sie sind wirklich heiß - in unserem Hotel ca. 45 Grad C. Wir hätten uns fast verbrüht. Das heiße Wasser tat uns aber gut. Wir wechselten anschließend in ein Becken  mit herunter gekühltem Heilwasser und nahmen noch eine Unterwassermassage in Anspruch. Das war mir dann genug Wellness. Ich verabschiedete mich ins Zimner. Meine Freundin traf noch Landsleute aus Slovenien und Montenegro. Sie blieb noch auf einen Plausch im warmen Becken. Zum späten Abendessen trafen wir uns dann wieder in einem Lokal am Ufer des Mino an einer alten Steinbrücke. Man sagte uns, man zahle die Aussicht mit. Das kann ich nicht bestätigen. Wir verzehrten zu zweit Tintenfisch, Tortilla, Salat, Kroketten, Bier und Wein sowie Brot und Oliven für gerade einmal 25 Euro. Am Mino kann man sich super zurückziehen und die viele Wege am Fluss entlang schlendern. Am Fluss selber gibt es immer wieder natürliche Warmwasser-Quellen mit natürlichen Becken. Sie können kostenfrei genutzt werden. Viele Einheimische treffen sich dort zu einer Art "After-Work-Entspannung". Besonders stimmungsvoll ist es, wenn es kälter ist und sich der Nebel geheimnisvoll über die Landschaft legt.